Intervention, IGeL und Interdisziplinarität beim IROS 2012
Dreiländertagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Interventionelle Radiologie rückt Gefäßmedizin und interventionelle Onkologie in den Fokus
Friedrich Olbert war einer der Pioniere der Angioplastie und sein Leben lang um die Akzeptanz der Interventionellen Radiologie bemüht. Noch heute steht der Wiener Radiologe mit seinem Namen Pate für eines der anerkanntesten und größten deutschsprachigen Events auf diesem Gebiet.

Bereits 1994 wurde IROS, damals noch unter der Firmierung „Olbert Symposium“, von Prof. Johannes Lammer, Universitätsklinik für Radiodiagnostik in Wien, gegründet. Dieser Tage findet das Treffen unter der Schirmherrschaft der deutschsprachigen Gesellschaften für Interventionelle Radiologie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (DEGIR, ÖGIR und SGCVIR ) mit Unterstützung der CIRSE (Cardiovascular and Interventional Radiological Society of Europe) statt, behält aber seinen regionalen Charakter bei, der sich vor allem durch die Kongresssprache „Deutsch“ auszeichnet. „Weil beim IROS keine Sprachbarrieren im Weg stehen, sind Programmpunkte wie die MTRA-Fortbildung, das Fit-für-den-Facharzt-Programm und die Kurse zum Erwerb der Fachkunde am besten zu realisieren“, findet Prof. Vorwerk. Warum aber reicht ein Themenschwerpunkt Interventionelle Radiologie beim Deutschen Röntgenkongress nicht aus? „Weil wir auf dem IROS zusätzlich auch Live Cases zeigen können“, lautet die prompte Antwort. „2012 werden Direktübertragungen aus dem Kaiser-Franz-Josef-Spital Wien und dem Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg stattfinden.“
Die Gefäßmedizin und Interventionelle Onkologie werden an den drei Kongresstagen die wichtigsten Stichwortgeber sein. Denn seit kurzem bietet auch die Radiologie verschiedene Behandlungsoptionen bei Tumoren wie etwa die Selektive Interne Radio-Therapie (SIRT), Transarterielle Chemoembolisation (TACE) und Radiofrequenzablation (RFA) an. „Auch diese neuen Techniken können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Krebs eine systemische Erkrankung bleibt. Das heißt, wenn man einen Tumor fokal behandelt – egal ob chirurgisch oder interventionell – heißt das nicht, dass der Patient tumorfrei ist. Die eigentliche Frage lautet daher: Bei welchen Indikationsstellungen können sich die neuen minimal-invasiven Techniken gegenüber den etablierten Verfahren wie Strahlen- und Chemotherapie sowie Operation beweisen?“, kommentiert der Kongresspräsident.
Besonders beunruhigt zeigt er sich darüber, dass einige Ärzte radiologische Interventionen bei Tumorerkrankungen als individuelle Gesundheitsleistungen anbieten, obwohl die Gesetzliche Krankenversicherung die Kosten übernimmt. „Neben dem persönlichen Kummer werden die Patienten dann auch noch finanziell belastet“, beklagt Vorwerk. „Darüber hinaus besteht auch ein gesundheitliches Risiko, wenn diese Eingriffe ambulant durchgeführt werden, nur damit man sie als IGeL-Leistung abrechnen kann; es fehlt dann eine medizinische Überwachung, falls es zu einer Komplikation kommt.“
Eine ähnlich hitzige Diskussion um ökonomische Interessen ist zurzeit um die Diagnose und Behandlung der chronischen cerebro-spinal venösen Insuffizienz, kurz CCSVI, entbrannt. Auf dem gerade zu Ende gegangenen diesjährigen CIRSE-Kongress in München erregte das Thema die Gemüter heftig und wird auch auf einer IROS-Plenarsitzung unter dem Titel „Heiße Eisen“ behandelt werden.
Prof. Dr. Dierk Vorwerk ist seit zwölf Jahren als Chefarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Ingolstadt tätig. Im Jahr 1996 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der RWTH Aachen ernannt. Er erhielt 1993 den Wilhelm-Conrad-Röntgen-Preis und 1996 den Hermann-Holthusen-Ring der Deutschen Röntgengesellschaft. 2008 übernahm er die Präsidentschaft des Deutschen Röntgenkongresses. Seine Hauptinteressen liegen in den Gefäßinterventionen, der Schlaganfalltherapie und den Embolisationstechniken.
Für Prof. Vorwerk beweist die aktuelle Debatte um das CCSVI daher einmal mehr, dass die besten medizinischen Entscheidungen immer noch in einem interdisziplinären Team gefällt werden. Denn dort, wo nur die Meinung eines Einzelnen herrscht, gibt es keine unabhängigen Urteile. „Jeder Arzt ist parteiisch und empfiehlt das, was er gut kennt. Deshalb sollten alle verantwortlichen Disziplinen in die Therapie miteinbezogen werden. Ich sehe den Radiologen hier als idealen Gesprächspartner, weil er sozusagen aus der zweiten Reihe dient. Das ist bisher noch ein sehr frommer Wunsch, aber von einem Umdenken in Richtung einer interdisziplinären Entscheidungsfindung würden der Patient, am Ende aber sicher alle profitieren.“
Weitere Informationen unter www.irosonline.org
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