Vertrauen minimiert Risiken
Mit den Hintergründen, Anforderungen und Voraussetzungen für ein erfolgreiches klinisches Risikomanagement beschäftigte sich die Session 8 am zweiten Kongresstag der conhIT. Wie schafft man den Sprung vom Verschweigen hin zum Vertrauen, von Vorwürfen hin zu Verbesserungsstrategien? Dipl. Inform. Med. Timo Baumann, Abteilungsleiter Service-Center IT und Organisation, Kliniken des Landkreises Göppingen gGmbH, Vorstand des Bundesverbandes der Krankenhaus-IT-Leiterinnen / Leiter e.V. und Dr. med. Matthias Schäg , Leiter Medizincontrolling, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R. führten durch eine ebenso spannende wie praxisbezogene Veranstaltung.
Dr. Maria Ines Cartes, Risikomanagerin an der Medizinischen Hochschule HannoverDie Zeiten, Fehler im System totzuschweigen sind vorbei – dieser Meinung war an diesem Vormittag nicht nur Maria Ines Cartes. Denn es steht viel auf dem Spiel: Neben der Patientensicherheit geht es auch um wirtschaftliche Faktoren wie beispielsweise Mitarbeiterversicherungsprämien.
Risikomanagement in Kliniken, so Cartes, zielt auf drei zentrale Bereiche: Patientensicherheit, Ethos und Unternehmenssicherheit. In der MHH bedeutete dies konkret: Erhöhung der Patientensicherheit, Gewährleistung der Haftpflichtversicherung aller Mitarbeiter und die Einhaltung rechtlicher Standards und Sicherheitsstandards. Zur Erfüllung dieser Ziele sieht Cartes neben Erkennungstools wie Befragungen, Schadenslisten oder externen Qualitätssicherungen vor allem einen Switch der Fehlerkultur der Kliniken als essentiell an. „Die Sicherheitskultur muss an oberster Stelle verankert sein. Neben Transparenz geht es vor allem darum, Vertrauen bei den Mitarbeitern zu schaffen. Dazu gehört, die Wahrnehmung der Mitarbeiter für Risiken zu sensibilisieren und diese in die Risikoanalyse, -handhabung und –überwachung einzubeziehen“, so die Expertin.
In Hannover ist dies bereits gelungen und die Schadensfälle konnten spürbar gesenkt werden.
CIRS am UK Essen
Von der Einführung von CIRS am UK Essen berichtete Simone Böttcher, Risikomanagerin im Haus. Mit der freiwilligen Einführung des Critical Incident Reporting Systems zunächst in der Kinderheilkunde stellte das Klinikum eine anonyme Möglichkeit der „Vor-Ort-Berichterstattung“ zur Verfügung, deren Analyse in das Risikomanagement einfließt.
Simone Böttcher, Risikomanagerin am UK EssenFür die Melderinnen und Melder ist es wichtig, dass ein einfacher, intuitiver Zugriff auf das
Meldewesen möglich ist. Die Meldungen müssen anonym getätigt werden können, da es vielerorts noch ein Tabu ist, Fehler oder Beinahe-Ereignisse offen zu kommunizieren. Dennoch sollten die Melderinnen und Melder über die Möglichkeit verfügen, auch anonym getätigte Meldungen zu verfolgen.
Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen ist es für die einzelnen Kliniken und Institute
ausschlaggebend, eine hohe Flexibilität bei der Erstellung der Meldebögen zu besitzen. Dies soll der einfachen Erstellung von Reports dienen (automatische Erstellung von Zusammenfassungen und Statistiken). Eine einfache Übersicht über aktuelle Meldungen sowie die Möglichkeit der Durchführung unterschiedlicher Analysen sollten in einem System möglich sein. Außerdem sollten die Meldungsbearbeitung sowie die Darstellung abgeleiteter Maßnahmen transparent und verfolgbar sein.
Für Mitglieder von Vorständen, Aufsichtsräten sowie das zentrale Klinische Risikomanagement sind die systematische Auswertung und Klassifizierung der eingegangenen Meldungen, einfache Überwachung der Maßnahmen, strukturiertes Reporting sowie die Möglichkeit der Datenaufbereitung zum internen und externen Benchmark als Anforderungen zu nennen.
Grundsätzlich gilt, dass Meldungen über möglichst wenig Freitext verfügen sollten, da sonst der Aufwand für ein strukturiertes Reporting zu viel personelle Ressourcen erfordert, die optimaler eingesetzt werden können.
Ist CIRS nun ein Erfolgsmodell? Die Software unterstützt das Risikomanagement zwar, eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht. Denn der Schlüssel zum Erfolg liegt auch hier im Vertrauensaufbau der Mitarbeiter – und um das aufzubauen, bedarf es harter und ehrlicher Arbeit.
SAP in Aachen
MR Dipl-Kfm. Jürgen Norbisrath, IT-Koordination der Universitätskliniken NRW, Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie NRWWeitere Artikel aus:
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